Kontakt | Impressum | 19.01.2019 _ 18:43 h

Alles blitzblank dank Kannenpflanze?

Die Natur als Vorbild: Umweltschutztechniker denken praktisch und suchen nach alltagstauglichen wie umweltfreundlichen Lösungen – auch für den Haushalt!

Eignen sich die Enzyme der carnivoren Kannenpflanzen dazu, im Haushalt anfallende organische Verbindungen abzubauen und können sie chemische Rohrreiniger beispielsweise aus Natriumhydroxid ersetzen? Diesen Fragen ging Aaron Metelke, angehender Umweltschutztechniker, in seiner Projektarbeit nach: „Da ich einige Kannenpflanzen besitze und weiß, wie die Enzyme wirken, wollte ich diesen natürlichen Stoff auf seinen Gebrauch als Abflussreiniger untersuchen, um einen aggressiven gesundheitsschädlichen Stoff  durch einen ungefährlichen zu substituieren. “ Sein Projekt verbindet die Bereiche Biologie, Ökologie und Chemie miteinander und baut vorrangig auf Inhalten aus dem analytisch-chemischen Praktikum und dem Kurs Umweltanalytische Methoden  auf.

„Für meinen Versuch sind vor allem gesunde Pflanzen mit ausreichender Enzymproduktion wichtig – hier müssen Substrat, Raumtemperatur sowie Bodenfeuchte stimmen. Entscheidend für den Abbauprozess ist der pH-Wert sowohl der Enzymflüssigkeit als auch der gelösten Chemikalien, was sehr genaues Arbeiten erfordert“, so der gelernte Anlagenmechaniker. „Nach den Vorbereitungen habe ich über einen Zeitraum von zehn Tagen die Zersetzung von Fett in der Enzymflüssigkeit sowie in den weiteren Versuchslösungen beobachtet, dokumentiert und ausgewertet.“

Und welchen Schluss kann Aaron Metelke, der nach seinem Techniker-Abschluss als Projektleiter für Arbeits- und Gesundheitsschutz tätig sein wird, aus seinem Experiment ziehen? „Im Vergleich zeigt sich eindeutig, dass Natriumhydroxid effektiver Fettreste lösen kann als das Enzym: nach zehn Tagen waren hier 70 % des Fetts abgebaut, bei der Kannenpflanze 15 %.  Zudem fällt Natriumhydroxid in der Chemieindustrie in großen Mengen an und ist ständig verfügbar. Kannenpflanzen benötigen dagegen zur Produktion des Enzyms passende Umweltbedingungen – ein Kosten- und Zeitfaktor. Daher können sie derzeit chemische Reiniger zwar noch nicht ersetzen, aber das Potential da!“ 

Der pH-Wert spielt für die Leistungsfähigkeit der Fett zersetzenden Enzyme eine große Rolle (Bild: Ch. Bleier)
Die Enzymflüssigkeit  der Kannenpflanzen wird für das eigentliche Experiment, die Zersetzung von Fett, vorbereitet. (Bild: A. Metelke)
Die Enzymflüssigkeit der Kannenpflanzen wird für das eigentliche Experiment, die Zersetzung von Fett, vorbereitet. (Bild: A. Metelke)
Der pH-Wert der Enzymflüssigkeit der verwendeten Kannenpflanzen lag bei 5, was dem Magensaft von Säugetieren nahe kommt. In diesem sauren Milieu konnte das Enzym nach zehn Versuchstagen 15 % des Fetts zersetzen. (Bild: A. Metelke)
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